Fünf Schritte die Ihre Liquiditätsplanung vereinfachen

Alle Selbstständigen und Freiberufler wünschen sich inständig, immer über ausreichende freie Finanzmittel verfügen zu können. Doch hier liegt oft die größte Schwierigkeit. Durch außerplanmäßige Zahlungsverpflichtungen kommen viele Unternehmer zeitweise in finanzielle Bedrängnis. Dies liegt daran, dass eine Liquiditätsplanung  sehr selten und dann auch sehr inkonsequent durchgeführt wird.

 

Welche Instrumente setzen Sie in Ihren Business ein, um Ihre finanzielle Lage erkennen und dann auch deren Entwicklung für die Zukunft abschätzen zu können?

 

Das nötige Wissen zu Aufbau und Einsatz einer Liquiditätsplanung ist selten vorhanden. Dabei ist es ganz leicht. In diesem Beitrag erfahren Sie:

 

  • Was ist eine Liquiditätsplanung?
  • Was ist das Ziel einer Liquiditätsplanung?
  • Die fünf Schritt der Liquiditätsplanung.

 

Was ist eine Liquiditätsplanung?

 

Planen bedeutet, bestimmte Annahmen über die Zukunft zu machen und daraus Handlungen abzuleiten. Eine Liquiditätsplanung bezieht sich daher immer auf Ihre Zukunft.

 

Für Sie als Unternehmer ist es sehr wichtig, dass Ihr Business sich in einem finanziellem Gleichgewicht befindet. Das bedeutet: Ihre Einnahmen sind mindestens so hoch wie Ihre Ausgaben. Sie sind daher in der Lage, Ihren finanziellen Zahlungsverpflichtungen sowohl fristgerecht als auch beitragsgenau nachzukommen. Um dies konsequent stets im Auge zu behalten und um keine bösen Überraschungen zu erleben, ist eine Planung das A und O.

 

Was ist das Ziel einer Liquiditätsplanung?

 

Das Ziel ist es, auf folgende Fragen eine Antwort zu haben:

 

  • Wie ist es um die heutige Liquidität bestellt?
  • Wie wird sich diese in der Zukunft entwickeln?

 

Um Ihre aktuelle finanzielle Situation zu erfassen, stellen Sie Ihre Einnahmen Ihren Ausgaben gegenüber. Besonders wichtig dabei ist, die einzelnen Zahlungen denjenigen Planungsperioden zuzuordnen, in denen sie erwarten werden. Beispiel: Ihr Steuerberater macht Sie zu Jahresbeginn schon darauf aufmerksam, dass Sie für den Monat April mit einer Steuernachzahlung über 15.000,–€ rechnen müssen. In Ihrer Planung berücksichtigen Sie diese zeitlich und auch in entsprechender Höhe.

 

Sogleich können Sie erkennen, welche Auswirkungen diese Steuernachzahlung auf Ihre zukünftige Liquidität hat. Beispielsweise müssen Sie Neuanschaffungen, die für den Jahresbeginn geplant waren, um ein paar Wochen verschieben. Oder Sie ziehen einen zusätzlichen Auftrag ans Land, der Ihnen eine neue Einnahmequelle ermöglicht.

 

Ohne eine zuverlässige und korrekte Planung kann diese Nachzahlung zu einem finanziellen Engpass führen, sofern die Rücklagen hierfür nicht ausreichen.

 

Die fünf Schritte einer Liquiditätsplanung

 

Erster Schritt: Von der Produktion bis zum Absatz – Durchlaufzeiten festlegen

 

Stellen Sie sich bitte folgendes Beispiel vor:

 

Ein Trainer erstellt für seine Kunden einen neuen Onlinekurs. Dieser soll in drei Monaten mit einem Umsatzplus von 150.000,– verkauft werden. In den ersten Wochen kümmert er sich intensiv um die Kursinhalte. Anschließend stellt er diese in einem geschlossenen Mitgliederbereich auf seiner Homepage zur Verfügung. In der verbleibenden Zeit vermarktet er sein Produkt über verschiedene Kanäle.

 

Während der Produktionsphase verbucht unser Beispiel-Kunde nur sehr wenige Einnahmen. Dennoch laufen alle weiteren Kosten wie der eigene Lohn, die Büromiete, Personalkosten, Kosten für Werbemaßnahmen, uvm. weiter.

 

Das Grundproblem vielfach ist, dass der Verkaufszeitpunkt eines Produktes nichts mit dem Zeitpunkt seiner Herstellung zu tun hat. Das bedeutet für Ihre Liquiditätsplanung, dass bevor Umsätze eingenommen werden, Ausgaben anfallen, die berücksichtigt werden müssen.

 

Zweiter Schritt: Forderungen erfassen

 

Ein wichtiges Kriterium Ihrer Planung ist der Zahlungszeitpunkt. Wann erhalten Sie die Zahlung vom Kunden? Die Spannbreite reicht von „sofort“ bis „nie“. Welcher Ihrer Kunden nun eventuell ein schwarzes Schaf ist und welcher Betrag Ihnen tatsächlich entgeht, wissen Sie erst, wenn der Ernstfall eingetreten ist.

 

Für Ihre Planung nehmen Sie Schätzwerte aus den vergangenen Jahren an z.B. 5% des Planumsatzes.

 

Zudem gilt: Produkte und Dienstleistungen werden häufig brutto bezahlt. Das bedeutet, dass auf Ihren Umsatz die Mehrwertsteuer aufgeschlagen wurde (in der Buchhaltung spricht man von Umsatzsteuer). Für Ihre Planung ist es sehr empfehlenswert, für die Mehrwertsteuer ein eigenen Konto einzurichten und die Beträge zeitnah – firekt nach Geldeingang –  dorthin zu überweisen. Damit stellen Sie sicher, dass Sie diese Gelder nicht anderweitig ausgeben. Denn die monatliche Umsatzsteuervorauszahlung ist in Deutschland bis zum 10. Kalendertag des Folgemonats an das Finanzamt zu überweisen (durchlaufender Posten).

 

 

Dritter Schritt: Aufwände erfassen

 

Zum Erhalt Ihres Business fallen regelmäßige Ausgaben an. Diese reduzieren Ihre Zahlungsmittel und schmälern somit Ihre Liquidität. Daher ist es ratsam, auf diese Ausgaben ein besonderes Augenmerk zu legen.

 

„Denn nicht durch das was Sie verdienen bleiben Sie liquide und werden wohlhabend, sondern durch das, was Sie sparen.“

Inwieweit Sie Ihre Ausgaben in Ihrer Liquiditätsplanung nach Einzelpositionen aufgliedern, hängt sehr stark von der Zusammensetzung Ihres Betriebsaufwandes ab. Folgende Aufwandspositionen sind denkbar:

 

  • Personalkosten
  • Werbung
  • Gebühren und Beiträge
  • Porto
  • Telefon/Handy
  • Energie
  • Versicherungen

 

Denkbar ist, dass Sie z. B. alle Versicherungen in einem Block zusammenfassen, den Jahresbetrag gleichmäßig auf jeden Monat verteilen, auch wenn einige Verträge jährlich bezahlt werden. Alle Postitionen werden beitragsmäßig und termingerecht erfasst.

 

Vierter Schritt: Zinsen, Tilgung und Investition

 

Sehr viele Unternehmen gründen Ihr Business mit Hilfe eines Kredits. Hierzu fallen immer Zinsen und (irgendwann) auch Tilgung an. Diese Zahlungen werden exakt in Ihrer Liquiditätsplanung eingetragen.

 

Nicht vergessen dürfen Sie Zinszahlungen, die für den Negativsaldo auf den Kontokorrentkonto anfallen. Der Saldo auf diesem Konto schwankt (bei einigen Unternehmer) wie ein Kuhschwanz: Mal ein Plus, dann ein leichtes Minus, dann plötzlich stehen Sie in tief roten Zahlen. Daher ist die Festlegung einer Durchschnittsbeanspruchung für eine Liquiditätsplanung sinnvoll.

 

Erfahrungsgemäß wird sich der Gebrauch eines Kontokorrentkredits von Jahr zu Jahr unwesentlich verändern. Daher können Sie für Ihre Planung die im Vorjahr bezahlten Zinsen in etwa gleicher Höhe wieder ansetzten.

 

Investitionen sind für das Unternehmen sehr wichtig und kosten selbstverständlich Liquidität. Zu klären sind folgende Fragen:

 

  • Von welchem Geld wird die Investition gezahlt?
  • Ist dafür ein Kredit nötig?
  • Wann erfolgen Rechnungsstellung und Bezahlung der Investition?
  • Ist Mehrwertsteuer eingeschlossen?

 

Einige Unternehmer fragen Sie zu Jahresende welche Finanzentscheidung ist denn die Richtige: Schulden tilgen, Vermögen aufbauen oder ins Unternehmen reinvestieren. Mehr dazu lesen Sie in diesem Beitrag.

 

Fünfter Schritt: Umsatzsteuerlast berechnen

 

Das Finanzamt ist ständig und überall mit von der Partie.

 

Werden Umsätze vom Kunden brutto bezahlt, dass heißt inkl. Umsatzsteuer, ist es ratsam, hierfür ein saparates Konto einzurichten. Die vom Kunden bezahlte Umsatzsteuer überweisen Sie auf dieses separate Konto.

 

Beispiel: Sie stellen Ihrem Kunden Mayer eine Rechnung über 1.000,–€ netto zzgl. 19% MwSt. Herr Mayer zahlt Ihnen fristgerecht den Gesamtbetrag über 1.119,–€ auf Ihr Geschäftskonto ein. Unmittelbar nach Geldeingang überweisen Sie auf Ihr separates Konto für Umsatzsteuer 119,–€.

 

Das hat den einen Vorteil, dass Sie dieses Geld nicht für andere Zwecke ausgeben und zum anderen haben Sie die finanziellen Mittel, sobald die Umsatzsteuer zur Zahlung an das Finanzamt fällig ist.

 

Für jeden Monat ist der Umsatzsteuersaldo zu errechnen, der dann im Folgemonat oder später (bei Rückzahlungen) liquiditätswirksam wird.

 

Wie Sie die Umsatzsteuerlast konkret und individuell für Ihr Unternehmen regeln, besprechen Sie unbedingt mit Ihrem Steuerberater.

 

Zusammenführen zu einem großen Plan

 

Alle Angaben werden zu einem großen individuellen Finanzplan zusammengeführt. Sie erhalten dadurch einen echten Überblick und sehen, wie sich Ihr Unternehmen entwickelt. Da dies ein dynamischer Prozess ist, werden immer wieder Anpassungen vorgenommen werden müssen.

 

Welche unternehmerische Konsequenzen sich daraus ergeben können, erfahren Sie in meinem nächsten Blogartikel.

 

Möchten Sie weitere Tipps und Tricks in Bezug auf „Liquidität aufbauen, erhalten und sichern“ kennenlernen? Dann sind Sie herzlich eingeladen, Mitglied in meiner Facebook-Gruppe „liquide Unternehmer“ zu werden.

 

Herzlichen Grüße

Sylvia Schneider

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